Zudem signalisierten die kränkelnden Tiere, dass die Weltmeere ebenfalls gefährdet seien, erklärte der Biologe P. Dee Boersma jüngst in der Zeitschrift „Bioscience“.
Auswirkungen in abgelegenen Winkeln
In ihrer Studie brachten die Wissenschaftler der Universität von Washington den Rückgang der Pinguinarten mit dem allgemeinen Befinden der Südsee in Verbindung. „Jetzt sehen wir die Auswirkungen der Erderwärmung und der Umweltverschmutzung in den abgelegensten Winkeln der Welt“, schrieb Boersma.
Zwölf Arten gefährdet
Den Untersuchungen zufolge sind zwölf von insgesamt 16 bis 19 Pinguinarten in Gefahr. Drei sind vom Aussterben bedroht, sieben gefährdet, bei zwei weiteren Arten nimmt das Gefährdungsrisiko zu.
Vor 15 Jahren seien fünf bis sieben Pinguinarten in Gefahr gewesen, teilte die International Union for the Conservation of Nature (IUCN) mit, ein Dachverband von Naturschutzorganisationen.
Selbst häufigste Art gefährdet
Die Studie untersuchte besonders die weltweit größten Bestände des Patagonischen Pinguins am Punta Tumbo in Argentinien. Dort ging die Zahl der brütenden Paare von Ende der 60er Jahre bis 2006 von 400.000 auf 200.000 zurück.
Bei den Afrikanischen Pinguinen waren es einst 1,5 Millionen. Derzeit brüten nur noch 63.000 Paare dieser Art. Ein Grund für den Rückgang der Pinguine am Punta Tumbo sind Ölteppiche. Die Atlantikküsten von Argentinien, Brasilien und Uruguay werden regelmäßig von Ölteppichen verschmutzt, was den Tieren ihre Nahrungsquelle nimmt.
Das El-Nino-Phänomen
Adeliepinguine müssen vor allem mit der Erderwärmung im Westen der Antarktis kämpfen. Diese bereite massive Probleme bei der Nahrungssuche, sagte der Biologe und Tierschützer Phil Trathan.
Galapagospinguinen macht das El-Nino-Phänomen zu schaffen: Da das Wasser auf den Galapagosinseln zu warm geworden sei, müssten die Tiere auf der Suche nach Nahrung weiter reisen als bisher, sagte Boersma. Oftmals verlassen sie dafür ihre Jungen. Nur einige Pinguinarten wie die Königspinguine vermehren sich weiterhin.
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Mysteriöse Reise der Pinguine
Das Militär hat eine eigene Maschine abgestellt, um die weit gereisten Vögel im südlichsten Teil des Landes wieder auszusetzen. Auch ein Marineschiff soll Hunderte Pinguine wieder in kältere Gewässer transportieren. Behörden und Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel, warum sich heuer so viele der Tiere nach Norden verirrt haben.
Weiter Weg für die Nahrungssuche
Dass sich Magellan-Pinguine, die üblicherweise in der Magellanstraße zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland leben, in den Wintermonaten auf der Südhalbkugel an die brasilianischen Küsten verirren, ist an und für sich nicht ungewöhnlich.
Meistens werden aber nur einige Tiere bei der Nahrungssuche von kalten Meeresströmungen von der Antarktis gegen Norden getrieben.
Überfüllter Zoo
Beim Zoo von Niteroi in der Guanabara-Bucht gegenüber von Rio de Janeiro wurden heuer schon fast 600 oft verletzte oder erschöpfte Pinguine abgegeben. Im gesamten Jahr 2007 waren es nur sieben. Eine ähnliche Situation wird aus dem etwas südlicher gelegenen Florianopolis gemeldet, wo sich Tierärzte in einem eigenen Pflegezentrum um Hunderte Tiere kümmern.
„Habe so etwas noch nie gesehen“
„Ich habe 35 Jahre auf diesem Feld gearbeitet, und so etwas wie heuer habe ich noch nie gesehen“, zitiert die britische „Daily Mail“ den brasilianischen Meeresforscher Lauro Barcellos.
Der Klimatologe Jose Marengo bestätigte den Extremfall der „Washington Post“: „Wir haben allerdings keine Statistiken über die Zahl der Pinguine und die Ozeantemperaturen.“ Die Veränderung der Meeresströmungen sei eine der größten offenen Fragen bei der Erforschung des Klimawandels.
Erster Südatlantik-Hurrikan
Die weit gereisten Pinguine sind nur eines der ungewöhnlichen Phänomene an den südamerikanischen Küsten: 2004 bildete sich mit dem Zyklon „Catarina“ erstmals im Südatlantik ein tropischer Wirbelsturm, der Hurrikan-Stärke erreichte.
„Wir sehen ganz deutliche Veränderungen bei den Meeresströmungen auf der Südhalbkugel. Die Frage der Zukunft, auf die wir bisher keine Antwort haben, ist: Wie hängt das mit dem Klimawandel zusammen?“ so Marengo.
Ungewöhnliche Nahrung
Manche Experten glauben außerdem, dass die ungewöhnliche – und gefährliche – Reiseroute der Pinguine die Folge einer massiven Veränderung im Fischvorkommen im Südatlantik sein muss. Laut der BBC haben Untersuchungen gezeigt, dass sich einige der aufgegriffenen Pinguine von Fischarten ernährten, die eigentlich nicht zu ihrer normalen Kost gehören.
Tödlicher Ölteppich
Nicht alle überleben die bis zu 3.000 Kilometer lange Reise; einige sterben an Überanstrengung, ein größerer Teil an den Folgen von Umweltverschmutzung.
Im September verendeten Hunderte Tiere durch einen Ölteppich und wurden an den Küsten der südlichen Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul angespült. Kontakt mit Öl entzieht dem Gefieder der Pinguine und anderer Seevögel die wärmende und wasserabweisende Funktion. Die Tiere werden schwerer, können kaum noch schwimmen, lassen Kräfte und erfrieren.

















